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Nur Träume
Nur Träume waren's, die bisher mich quälten.
Was Liebe schien, war Dichtersehnsucht nur. Ich trug davon nur Wunden, die nicht zählten, die längst verheilten ohne Narbenspur. Wenn aber wahre Liebe mich gemartert hätte,
wär je gesundet dieses Herz? - Ich glaub es nicht. Wo diese wilde Flut eindringt und gräbt ihr Bette, gibt's keine Rettung mehr, bis man daran zerbricht.
Erst jetzt hat sie auch mich erwählt zur Beute,
ihr wilder Wirbel riß mich über Bord. Ruft schnell den Glöckner auf zum Sturmgeläute! Ein Mann fiel in die Flut, sie reißt ihn fort! Wird Rettung noch in höchster Not gelingen?...
Doch nein, mein heißes Herz ist's, das so dröhnend schlägt! Die Liebste hört es wohl; wird sie mir Hilfe bringen? Kein andrer helfe mir, tut sie's nicht unentwegt!
O Mädchen, läßt Du herzlos mich ertrinken?
Hätt ich geahnt, daß doch nur zum Verdruß Dein strahlend Auge mir wollt lockend winken, daß ich von Deinem Glanz erblinden muß? Denn Deine Seele gleicht der Sonne, die erhellte
das All, noch eh sie sich verfinsternd ganz verblich. Heut fürchte ich, Dein Herz ist so erstarrt in Kälte wie sie, wenn auf der Welt einst alles Leben wich.
Du sagtest mir einmal ohn' zu erbeben,
die Liebe wäre Dir gleichgültig nur. So wagst Du also Gott zu widerstreben, dem heiligen Gebot unsrer Natur?
Glaubst Du, daß sich für Dich der rechte Mann nicht fände,
der Deiner Liebe wert, für immer würdig wär, daß Deines Herzens Schatz sich schließlich nur verschwende, den Du, wenn er Dich täuscht, zurückerhältst nicht mehr?
Man kann nicht jedermann ins Herz gleich sehen,
doch ist's kein Grund, daß man die Liebe flieht. Wer stets geruhsam möcht Durchs Leben gehen, ist tot, grad weil er sich dem Leid entzieht. Scheust Du Dich wirklich nur, ein Haus zu baun, deswegen,
weil's einer Feuerbrunst vielleicht zum Opfer fällt, und ziehst es vor, zu stelin Durchnäßt im Sommerregen, zu zittern, wenn im Arm des Winters Frost Dich hält?
Doch sah ich Dich auch seufzen wie im Fieber.
Dann schien Dein Herz mir wie das meine heiß. Deckst Du den Panzer der Vernunft darüber, wie ein Vulkan sich hüllt in Schnee und Eis, dann wart ich in GeDuld, bis ich aus Deinem Munde
die Worte höre: "Freund, Du bist geprüft genug." Ja, warten werde ich, bis sie mir schlägt, die Stunde, da meine Treue Dir erscheint ohn' allen Trug.
Zwar wird mich jeder Tag des Wartens quälen,
lang wie die Ewigkeit erscheinen mir. Und wie der Schiffer auf des Meeres Wellen, erfaßt von Strudeln, nah dem Ufer schier, den Hafen nicht erreicht, weil jäh der Wind sich drehte,
werd ich aufs Meer zurück verschlagen Mal um Mal. Oh, bitter wird das sein, doch alle Herzensnöte, ich segne sie! Um Dich erDuld ich alle Qual.
So mag des Kranken Leib nicht schmerzen können
des Arztes Messer, das ins Fleisch ihm fährt, kein glühend Eisen könnt so grausam brennen, wie diese Sehnsucht brennt, die mich verzehrt. Ein Tröpfchen Hoffnung schon, das Du gewillt zu gießen
auf meines Herzens Qual, zur Linderung gereicht. Sag, daß Du mich belohnst, mag noch manch Jahr verfließen, sag nur ein Wort zum Trost, sag nur dies Wort: "Vielleicht!"
Doch nein, ein solcher Trost wär mir zuwenig, erspare mir zu lange Wartezeit! Ein solcher Trost wär nur ein Bettlerpfennig! Gib mir das ganze Maß der Seligkeit! Meine GeDuld ist wie ein Pferd, das ungebändigt
Durchgeht und den Verstand in wirre Wildnis reißt, wo eine Bestie haust, die seinen Ritt beendigt. Kennst Du dies wilde Tier, das Liebeswahnsinn heißt?
Ich fleh Dich an, gib mich mir selber wieder,
errette mich, gib mich der Welt zurück! Der Welt? Dir selbst! Tritt mich nicht nieder, Du kannst's, in Deiner Hand liegt mein Geschick! Dein soll mein Leben sein! Sag, daß Du's angenommen!
Stürzt Erd und Himmel auch danach auf mich herab, kein schönrer Tod könnt mir, als der in Wollust, frommen. Von solcher Last erdrückt, sink gern ich in das Grab.
Und wenn Du nimmermehr mir willst gehören,
verbunden dennoch bleibt mein Geist mit Dir wie mit dem Baum das Blatt. Verwelkt noch wären wir eins, wenn Winterfrost Dich trennt von mir. So ist's bestimmt! Du magst, um mich nicht mehr zu sehen,
in fremde Länder fliehn, doch nie verlierst Du mich. Ein Schatten folgt Dir stets, Du kannst ihm nicht entgehen, denn meine Traurigkeit ist immerdar um Dich.
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Rühmt man mich als guten Dichter
Rühmt man mich als guten Dichter, nun, dann werd ich's wohl auch sein. Doch ich hör's nicht gerne, Liebste, stimmst Du in dies Lob mit ein!
Rühmst Du selber meine Verse,
ist mir's, als verdien ich's nicht, denn ich fühl's: Mit Dir verglichen, bin ich nur ein trübes Licht.
In dem flüchtigsten Gedanken, welcher Deinem Kopf entspringt, in der leisesten EmpfinDung,
die in Deinem Herzen schwingt,
in Dein Feuer Deiner Augen, das mich nur verstohlen streift, in dem Wohlklang Deiner Stimme, die mir in die Seele greift,
oder aar in Deinem Lächeln
ist mehr Poesie, mein Lieb, als in fünfhundert GeDichten, welche ich bis heute schrieb.
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September-Ausklang
Wie freundlich vorm Fenster die Blumen noch blühen,
die Pappel, sie trägt noch ihr sommerlich Kleid! Doch siehst Du im Norden schon Schneegewölk ziehen, und hoch in den Bergen, da hat's schon geschneit. Noch fühl ich Durchpulst mich vom Sommer wie immer,
der Säfte der Jugend mich noch nicht beraubt, doch zeigen die Schläfen schon silbernen Schimmer, der Rauhreif des Winters sinkt sacht auf mein Haupt.
Die Jugend wird welken, das Leben verfliegen …
Komm zu mir, mein Weib, daß im Arm ich Dich hab, komm, neig Deinen Kopf, an mein Herz Dich zu schmiegen! Vielleicht neigst Du so Dich bald über mein Grab … Sag, wirst Du das Bahrtuch dann über mich legen
und schwören, daß nie einen andern Du liebst, kein andrer Dich jemals vermag zu bewegen, daß Du meines Namens Dich treulos begibst?
Doch willst Du nicht länger die Witwentracht tragen,
dann wirf Deinen Schleier getrost auf mein Grab! Ich steige herauf aus dem finsteren Schragen und hole ihn mir in die Grube hinab. Abtrocknen will ich mir damit alle Tränen,
die ich um Dich weinte – brachst Du auch Dein Wort. Denn ewiglich werde ich mich nach Dir sehnen, nach Dir, die ich liebe – auch dort noch, auch dort!
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Was ist die Liebe?
Ihr Dichterlinge, Schwadroneure,
ihr halbwüchsigen Hasardeure, hört auf, von Liebesleid zu plärren, das ist nicht mehr mitanzuhören. Ich bitt euch um der Menschheit Heil! Ward je die Einsicht euch zuteil, was dieser Vogel Liebe ist?
Was ihr daraus zu brauen wißt, dies GärproDukt aus eurem Kopf, aus diesem allzu muffigen Topf, darin ihr Seufzer-Nockerln brüht, gewürzt mit scharfem Hahnentritt, mit Bitterstoff von Tränensalz
und mit Rockzipfel-Schmachterschmalz, glaubt ihr fürwahr, daß dies Gebräu die gottgewollte Liebe sei? Nein, spart euch das, ihr kleinen Tröpfe, bis lichter werden eure Köpfe und ihr zu Recht besingen könnt,
was man in Wahrheit Liebe nennt. Lernt erst des Zweifels Pfeil zu tragen im Herzen, ohne zu wehklagen. Erweckt aus eurem roten Blut die grüne Saat: der Hoffnung Mut, ob sie auch wieder welken mag,
ja, jeder gottgewollte Tag euch immer wieder läßt verzagen, den schönsten Traum zu Grab heißt tragen. Lernt den Verleumdern euch zu stellen, die euch den Glauben gern vergällen;
laßt euch Durch Kränkung nicht vergrämen, für die man nicht darf Rache nehmen, dieweil ein Mensch euch hat entehrt, der eurer Liebsten zugehört. Lernt opfern euch den Ehepflichten,
auf eure Freiheit zu verzichten, die aller Menschen höchstes Gut, und tragt getreu mit frohem Mut für eure Liebe alle Lasten, sorgt ohn' zu ruhen und zu rasten, daß es den Euren an nichts fehle.
Verständnis zeigt der Frauen Seele, stellt euch auf ihre Launen ein. Wollt ihr nicht beide freudlos sein, gilt's, Selbstentäußerung zu üben. Seht, dies, all dies heißt wahrhaft lieben!
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Wie könnte ich Dich nennen?
Wie könnt ich Dich mit Namen nennen, wenn ich in traumversunkner Dämmerung vor Deinen zauberhaften Augen erstaune wie vorm Glanz des Venussterns, als säh ich Dich zum erstenmal.
Im Anblick dieser Augensterne, von denen jeder Strahl ein Strom der Liebe ist, der sich in meiner Seele Meer ergießt... Wie könnte ich Dich nennen?
Wie könnt ich Dich mit Namen nennen,
wenn mir Dein Blick entgegenfliegt, der sanfter leuchtet als das Auge der Taube, deren schimmerndes Gefieder dem Palmenzweig des Friedens gleicht und mir unsagbar wohltut, weil
er weicher ist als Kissen in der Wiege und zärtlicher als feinste Seide, die die heiße Stirn mir streift... Wie könnte ich Dich nennen?
Wie könnt ich Dich mit Namen nennen, wenn Deine Stimme mir erklingt,
die Stimme, die den Baum im Winter, der sie vernehmen könnt, zu grünen zwänge und übervoll mit Blüten sich zu schmücken, dieweil er glaubt, er hör das Lied der Nachtigall,
die ihm die langerwartete Erlösung kündet, die holde Frühlingszeit... Wie könnte ich Dich nennen?
Wie könnt ich Dich mit Namen nennen, wenn Deine Lippen sich auf meinen Mund wie feurige Rubine pressen
und unsre Seelen schmelzen hin im Kuß, wie Nacht und Tag im Frührot sich vereinen, wenn Zeit und Raum vor mir versinken, die Ewigkeit mich überflutet mit ungeahnter Seligkeit...
Wie könnte ich Dich nennen?
Wie könnt ich Dich mit Namen nennen, Du Mutter meines größten Glücks, Du holde Feentochter meiner himmelerstürmenden Visionen, Du meiner höchsten, kühnsten Hoffnung
erstaunlichste Verwirklichung, Du meiner Seele höchstes Kleinod, wertvoller als die ganze Welt, mein Weib, mein junges, wunderbares... Wie könnte ich Dich nennen?
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