The Soul's Mirror
 

Sándor Petöfi
 

Abschied

Der Herbstwind flüstert

Der Knechtschaft überdrüssig

Groß ist die Welt

Ich steh im Sommer meines Mannesalters

In hundert Gestalten

Nur Träume

Rühmt man mich als guten Dichter

September-Ausklang

Was ist die Liebe

Wie könnte ich Dich nennen

Abschied

Der Tag verrann, der eben erst begann,
kaum kam ich an, kaum hab ich Dich gesehn,
kaum hab ich Dich begrüßt, umarmt, geküßt,
und scheiden muß ich schon und von Dir gehn.
Mein Herz, mein Leben, alles bist Du mir,
mein junges, schönes Weib, Gott sei mit Dir!

Die Laute hab ich mit dem Schwert vertauscht,
der Dichter ward Soldat, treu seiner Pflicht.
Ein goldner Stern geleitete mich her,
zurück führt mich ein blutig rotes Licht.
Mein Herz, mein Leben, alles bist Du mir,
mein junges, schönes Weib, Gott sei mit Dir!

Nicht Ruhmsucht reißt von Deiner Brust mich fort,
denn Heldenlorbeer dünkt mich ohne Sinn,
und unsres Glückes roten Rosenkranz,
ich gäb ihn wahrlich niemals dafür hin.
Mein Herz, mein Leben, alles bist Du mit,
mein junges, schönes Weib, Gott sei mit Dir!

Nein, Ruhmsucht reißt mich nicht von Deiner Brust,
Du weißt, erstorben ist sie längst in mir.
Vergieße ich mein Blut, tu ich's bewußt
zum Wohl der Heimat, nur dafür, dafür!
Mein Herz, mein Leben, alles bist Du mir,
mein junges, schönes Weib, Gott sei mit Dir!

Wenn niemand sonst das Land verteidigen möcht,
dann täte ich es selbst auch ganz allein.
Doch jetzt, wo jeder Mann aufbrach ins Feld,
sollt ich der einzige Ofenhocker sein?
Mein Herz, mein Leben, alles bist Du mir,
mein junges, schönes Weib, Gott sei mit Dir!

Ich sage nicht zu Dir: Denk stets an mich,
da in den Kampf ich gehe, auch für Dich.
Ich kenne Dich, ich weiß, daß Stund um Stund
Dein ganzes Denken kreisen wird um mich.
Mein Herz, mein Leben, alles bist Du mir,
mein junges, schönes Weib, Gott sei mit Dir!

Als Krüppel kehre ich vielleicht nach Haus,
auch dann wirst Du mich lieben allezeit.
Ich selber bringe meine Liebe Dir,
fürwahr, zurück so unversehrt wie heut.
Mein Herz, mein Leben, alles bist Du mir,
mein junges, schönes Weib, Gott sei mit Dir!

 

Der Herbstwind flüstert ...

Der Herbstwind flüstert traurig mit den Bäumen,
geheimnisvoll ist seiner Rede Sinn,
die Bäume lauschen ihm, und wispernd wiegen
sie nachdenklich die Köpfe her und hin.
Nachmittag ist's, aufs Sofa hingesunken
lieg lesend ich, zur Seite mir gesellt,
in meinen Arm ihr Köpfchen friedlich schmiegend,
schläft meine kleine Frau, entrückt der Welt.

Ich fühle ihren Herzschlag mit der Linken,
die ihre süße Brust umfangen hält,
ein heiliges Buch halt ich in meiner Rechten,
das von der Völker Freiheitskampf erzählt.
Und jede Letter tanzt vor meiner Seele
wie ein Komet, der feurig niederfällt...
In meinen Arm ihr Köpfchen friedlich schmiegend,
schläft meine kleine Frau, entrückt der Welt.

Für schäbigen Sold, getrieben von der Peitsche,
dienten die Sklaven der Tyrannen Macht,
die Freiheit aber brauchte nur zu lächeln,
schon zog, wer treu ihr war, für sie zur Schlacht.
Und wie von einem schönen Mädchen Blumen,
nahm Wunden man und Tod von ihr im Feld...
In meinen Arm ihr Köpfchen friedlich schmiegend,
schläft meine kleine Frau, entrückt der Welt.

Wie viele Edle sind für Dich gefallen,
o heilige Freiheit, in verlornem Krieg!
Und trotzdem wirst Du schließlich triumphieren!
Der letzte Kampf bringt Dir gewiß den Sieg!
Und alle Deine Toten wirst Du rächen,
wenn Dein gerechtes Schwert Gerichtstag hält! ...
In meinen Arm ihr Köpfchen friedlich schmiegend,
schläft meine kleine Frau, entrückt der Welt.

Vorüber seh ich ziehen schon im Geiste
die Schreckensbilder zukünftiger Zeit,
der Freiheit Feinde sehe ich ersaufen
im eignen Blut ohne Barmherzigkeit!
Mein Herz, es hämmert in der Brust rachlüstern,
und Blitz und Donner mir im Schädel gellt...
In meinen Arm ihr Köpfchen friedlich schmiegend,
schläft meine kleine Frau, entrückt der Welt.

Der Knechtschaft überdrüssig

Jede Art der Liebe
hab ich ausprobiert,
hoffte, daß die Schöne
ihre Scheu verliert.

Wie im Sturm das Feuer
alles setzt in Brand,
wollt mein Herz besiegen
ihren Widerstand.

Sänftigte mich wieder
wie die warme Glut,
dran im Herbst der Hirte
abends wohlig ruht.

Kam wie ein Gebirgsquell,
der zu Tale saust,
Gischt aufwirbelnd, donnernd,
wild dahergebraust.

Nahte wie ein Bächlein,
das sich still verträumt
freut am Flor der Blumen,
der sein Ufer säumt.

Stand vor ihr als stolzer
Bergfirst, kalt, vereist,
drohend, blitzumlodert
und vom Aar umkreist.

Hielt sie sanft umfangen
wie ein trauter Hain,
sang gleich Nachtigallen
meiner Sehnsucht Pein.

Hundertmal gewandelt
hab ich mein Gesicht,
doch die spröde Schöne
änderte sich nicht.

Soll ich nun noch länger
treiben dieses Spiel?
Lohnt sich soviel Mühe,
führt sie je zum Ziel?

Besser ist's, ich schüttle
ab dies Liebesjoch;
Fesseln, noch so süße,
bleiben Fesseln doch.

Schwing Dich, meine Seele,
schwinge Dich empor
in das Reich der Freiheit
fröhlich wie zuvor!

Groß ist diese Welt

Groß ist diese Welt und prächtig -
Mädchen, Du bist zart und schmächtig.
Doch die Welt könnt ich entbehren,
würde mir Dein Herz gehören.

Du bist wie des Mittags Helle,
wie die Nacht ist meine Seele.
Wenn wir unsre Herzen einen,
könnt kein Morgen schöner scheinen.

Senke Deiner Augen Strahlen,
ihre Glut macht mir nur Qualen!
Wirst Du nie mich lieben können,
nun, dann laß mein Herz verbrennen!

Ich steh im Sommer meines Mannesalters

Ich steh im Sommer meines Mannesalters,
der Frühling meiner Jugend ist vorbei.
Wie viele Blüten hat er mitgenommen,
wie viele Freuden süßer Träumerei!
Der Lerche Trillern, das im Morgengrauen
mich immer wieder weckte, es verklang.
Hätt ich auch Deine Liebe jetzt verloren,
trüb wär die Welt, ich lebte nicht mehr lang.

Des Himmels Frührot ist verblaßt, verflogen,
der muntre Vogel singt nun nimmermehr,
nur ein erboster Wind heult in den Lüften,
pfeift Durch des Sängers Nest, das öd und leer;
fort wehte er die letzten welken Blätter
der stolzen Hoffnung, die mich einst Durchdrang.
Hätt ich auch Deine Liebe jetzt verloren,
trüb wär die Welt, ich lebte nicht mehr lang.

Der goldne Morgenstern am rosigen Himmel,
der grünen Erde Silbertau verschwand,
die rauhe Wirklichkeit hat mir verDunkelt
den Blick mit unerbittlich roher Hand.
Mir drohn gewitterschwarze Sorgenwolken,
des Sommers Schwüle lähmt und macht mich bang.
Hätt ich auch Deine Liebe jetzt verloren,
trüb wär die Welt, ich lebte nicht mehr lang.

Ein unbeständiger Gebirgsbach rauschte
an mir vorbei, romantisch klang sein Lied.
Das Lied der Ruhmsucht war's, an ihm erquickte
sich allzu gern mein dürstendes Gemüt.
Der Bach, er fließt noch heut, doch mögen andre
draus trinken! - Ich verschmäh heut diesen Trank.
Hätt ich auch Deine Liebe jetzt verloren,
trüb wär die Welt, ich lebte nicht mehr lang.

Vergeß ich einmal meine eignen Nöte
und denk ich nur an meines Landes Not,
dann seh ich vor mir eine Brut von Krüppeln,
ein Volk, das blind entgegengeht dem Tod.
Was hilft mein Fluch, was hilft's, die Faust zu ballen!
So wein ich nur, vor Zorn und Kummer krank.
Hätt ich auch Deine Liebe jetzt verloren,
trüb wär die Welt, ich lebte nicht mehr lang.

Ach, liebe mich, so heiß, wie ich Dich liebe,
so leidenschaftlich, unbeirrbar treu!
Laß Deines Herzens Wärme mich beglücken,
so wie das Licht des Himmels, ewig neu!
Mein einziges Licht, Du meiner Tage Sonne,
mein Stern zur Macht, dem alles ich verdank!
Hätt ich auch Deine Liebe jetzt verloren,
trüb wär die Welt, ich lebte nicht mehr lang!

In hundert Gestalten

Mancherlei Gestalt hat meine Liebe,
hundertfach verwandeln kann sie sich.
Wie die Flut - als wärst Du eine Insel
brandet meine Leidenschaft um Dich.

So, als wärst Du eine Kathedrale,
die ehrwürdig ragt zum Himmel auf,
rankt sie demütig zum andern Male
wie der Efeu sich an Dir hinauf.

Manchmal springt sie, wie ein Straßenräuber
einen Reichen überfällt, Dich an,
manchmal tritt sie zag und unterwürfig,
einem Bettler gleich, an Dich heran.

Bald bestürmt sie Dich wie ein Gewitter
der Karpaten Firn, mit Donnerhall,
bald besingt sie Dich, so wie der Rose
süße Lieder singt die Nachtigall.

Also wandelt stets sich meine Liebe,
wie das Leben, und sie endet nie.
Strömt sie wie ein stiller Strom oft sanfter,
glaub mir, um so tiefer nur ist sie.

Nur Träume

Nur Träume waren's, die bisher mich quälten.
Was Liebe schien, war Dichtersehnsucht nur.
Ich trug davon nur Wunden, die nicht zählten,
die längst verheilten ohne Narbenspur.
Wenn aber wahre Liebe mich gemartert hätte,
wär je gesundet dieses Herz? - Ich glaub es nicht.
Wo diese wilde Flut eindringt und gräbt ihr Bette,
gibt's keine Rettung mehr, bis man daran zerbricht.

Erst jetzt hat sie auch mich erwählt zur Beute,
ihr wilder Wirbel riß mich über Bord.
Ruft schnell den Glöckner auf zum Sturmgeläute!
Ein Mann fiel in die Flut, sie reißt ihn fort!
Wird Rettung noch in höchster Not gelingen?...
Doch nein, mein heißes Herz ist's, das so dröhnend schlägt!
Die Liebste hört es wohl; wird sie mir Hilfe bringen?
Kein andrer helfe mir, tut sie's nicht unentwegt!

O Mädchen, läßt Du herzlos mich ertrinken?
Hätt ich geahnt, daß doch nur zum Verdruß
Dein strahlend Auge mir wollt lockend winken,
daß ich von Deinem Glanz erblinden muß?
Denn Deine Seele gleicht der Sonne, die erhellte
das All, noch eh sie sich verfinsternd ganz verblich.
Heut fürchte ich, Dein Herz ist so erstarrt in Kälte
wie sie, wenn auf der Welt einst alles Leben wich.

Du sagtest mir einmal ohn' zu erbeben,
die Liebe wäre Dir gleichgültig nur.
So wagst Du also Gott zu widerstreben,
dem heiligen Gebot unsrer Natur?

Glaubst Du, daß sich für Dich der rechte Mann nicht fände,
der Deiner Liebe wert, für immer würdig wär,
daß Deines Herzens Schatz sich schließlich nur verschwende,
den Du, wenn er Dich täuscht, zurückerhältst nicht mehr?

Man kann nicht jedermann ins Herz gleich sehen,
doch ist's kein Grund, daß man die Liebe flieht.
Wer stets geruhsam möcht Durchs Leben gehen,
ist tot, grad weil er sich dem Leid entzieht.
Scheust Du Dich wirklich nur, ein Haus zu baun, deswegen,
weil's einer Feuerbrunst vielleicht zum Opfer fällt,
und ziehst es vor, zu stelin Durchnäßt im Sommerregen,
zu zittern, wenn im Arm des Winters Frost Dich hält?

Doch sah ich Dich auch seufzen wie im Fieber.
Dann schien Dein Herz mir wie das meine heiß.
Deckst Du den Panzer der Vernunft darüber,
wie ein Vulkan sich hüllt in Schnee und Eis,
dann wart ich in GeDuld, bis ich aus Deinem Munde
die Worte höre: "Freund, Du bist geprüft genug."
Ja, warten werde ich, bis sie mir schlägt, die Stunde,
da meine Treue Dir erscheint ohn' allen Trug.

Zwar wird mich jeder Tag des Wartens quälen,
lang wie die Ewigkeit erscheinen mir.
Und wie der Schiffer auf des Meeres Wellen,
erfaßt von Strudeln, nah dem Ufer schier,
den Hafen nicht erreicht, weil jäh der Wind sich drehte,
werd ich aufs Meer zurück verschlagen Mal um Mal.
Oh, bitter wird das sein, doch alle Herzensnöte,
ich segne sie! Um Dich erDuld ich alle Qual.

So mag des Kranken Leib nicht schmerzen können
des Arztes Messer, das ins Fleisch ihm fährt,
kein glühend Eisen könnt so grausam brennen,
wie diese Sehnsucht brennt, die mich verzehrt.
Ein Tröpfchen Hoffnung schon, das Du gewillt zu gießen
auf meines Herzens Qual, zur Linderung gereicht.
Sag, daß Du mich belohnst, mag noch manch Jahr verfließen,
sag nur ein Wort zum Trost, sag nur dies Wort: "Vielleicht!"

Doch nein, ein solcher Trost wär mir zuwenig,
erspare mir zu lange Wartezeit!
Ein solcher Trost wär nur ein Bettlerpfennig!
Gib mir das ganze Maß der Seligkeit!
Meine GeDuld ist wie ein Pferd, das ungebändigt
Durchgeht und den Verstand in wirre Wildnis reißt,
wo eine Bestie haust, die seinen Ritt beendigt.
Kennst Du dies wilde Tier, das Liebeswahnsinn heißt?

Ich fleh Dich an, gib mich mir selber wieder,
errette mich, gib mich der Welt zurück!
Der Welt? Dir selbst! Tritt mich nicht nieder,
Du kannst's, in Deiner Hand liegt mein Geschick!
Dein soll mein Leben sein! Sag, daß Du's angenommen!
Stürzt Erd und Himmel auch danach auf mich herab,
kein schönrer Tod könnt mir, als der in Wollust, frommen.
Von solcher Last erdrückt, sink gern ich in das Grab.

Und wenn Du nimmermehr mir willst gehören,
verbunden dennoch bleibt mein Geist mit Dir
wie mit dem Baum das Blatt. Verwelkt noch wären
wir eins, wenn Winterfrost Dich trennt von mir.
So ist's bestimmt! Du magst, um mich nicht mehr zu sehen,
in fremde Länder fliehn, doch nie verlierst Du mich.
Ein Schatten folgt Dir stets, Du kannst ihm nicht entgehen,
denn meine Traurigkeit ist immerdar um Dich.

Rühmt man mich als guten Dichter

Rühmt man mich als guten Dichter,
nun, dann werd ich's wohl auch sein.
Doch ich hör's nicht gerne, Liebste,
stimmst Du in dies Lob mit ein!

Rühmst Du selber meine Verse,
ist mir's, als verdien ich's nicht,
denn ich fühl's: Mit Dir verglichen,
bin ich nur ein trübes Licht.

In dem flüchtigsten Gedanken,
welcher Deinem Kopf entspringt,
in der leisesten EmpfinDung,
die in Deinem Herzen schwingt,

in Dein Feuer Deiner Augen,
das mich nur verstohlen streift,
in dem Wohlklang Deiner Stimme,
die mir in die Seele greift,

oder aar in Deinem Lächeln
ist mehr Poesie, mein Lieb,
als in fünfhundert GeDichten,
welche ich bis heute schrieb.

September-Ausklang

Wie freundlich vorm Fenster die Blumen noch blühen,
die Pappel, sie trägt noch ihr sommerlich Kleid!
Doch siehst Du im Norden schon Schneegewölk ziehen,
und hoch in den Bergen, da hat's schon geschneit.
Noch fühl ich Durchpulst mich vom Sommer wie immer,
der Säfte der Jugend mich noch nicht beraubt,
doch zeigen die Schläfen schon silbernen Schimmer,
der Rauhreif des Winters sinkt sacht auf mein Haupt.

Die Jugend wird welken, das Leben verfliegen …
Komm zu mir, mein Weib, daß im Arm ich Dich hab,
komm, neig Deinen Kopf, an mein Herz Dich zu schmiegen!
Vielleicht neigst Du so Dich bald über mein Grab …
Sag, wirst Du das Bahrtuch dann über mich legen
und schwören, daß nie einen andern Du liebst,
kein andrer Dich jemals vermag zu bewegen,
daß Du meines Namens Dich treulos begibst?

Doch willst Du nicht länger die Witwentracht tragen,
dann wirf Deinen Schleier getrost auf mein Grab!
Ich steige herauf aus dem finsteren Schragen
und hole ihn mir in die Grube hinab.
Abtrocknen will ich mir damit alle Tränen,
die ich um Dich weinte – brachst Du auch Dein Wort.
Denn ewiglich werde ich mich nach Dir sehnen,
nach Dir, die ich liebe – auch dort noch, auch dort!

Was ist die Liebe?

Ihr Dichterlinge, Schwadroneure,
ihr halbwüchsigen Hasardeure,
hört auf, von Liebesleid zu plärren,
das ist nicht mehr mitanzuhören.
Ich bitt euch um der Menschheit Heil!
Ward je die Einsicht euch zuteil,
was dieser Vogel Liebe ist?
Was ihr daraus zu brauen wißt,
dies GärproDukt aus eurem Kopf,
aus diesem allzu muffigen Topf,
darin ihr Seufzer-Nockerln brüht,
gewürzt mit scharfem Hahnentritt,
mit Bitterstoff von Tränensalz
und mit Rockzipfel-Schmachterschmalz,
glaubt ihr fürwahr, daß dies Gebräu
die gottgewollte Liebe sei?
Nein, spart euch das, ihr kleinen Tröpfe,
bis lichter werden eure Köpfe
und ihr zu Recht besingen könnt,
was man in Wahrheit Liebe nennt.
Lernt erst des Zweifels Pfeil zu tragen
im Herzen, ohne zu wehklagen.
Erweckt aus eurem roten Blut
die grüne Saat: der Hoffnung Mut,
ob sie auch wieder welken mag,
ja, jeder gottgewollte Tag
euch immer wieder läßt verzagen,
den schönsten Traum zu Grab heißt tragen.
Lernt den Verleumdern euch zu stellen,
die euch den Glauben gern vergällen;
laßt euch Durch Kränkung nicht vergrämen,
für die man nicht darf Rache nehmen,
dieweil ein Mensch euch hat entehrt,
der eurer Liebsten zugehört.
Lernt opfern euch den Ehepflichten,
auf eure Freiheit zu verzichten,
die aller Menschen höchstes Gut,
und tragt getreu mit frohem Mut
für eure Liebe alle Lasten,
sorgt ohn' zu ruhen und zu rasten,
daß es den Euren an nichts fehle.
Verständnis zeigt der Frauen Seele,
stellt euch auf ihre Launen ein.
Wollt ihr nicht beide freudlos sein,
gilt's, Selbstentäußerung zu üben.
Seht, dies, all dies heißt wahrhaft lieben!

Wie könnte ich Dich nennen?

Wie könnt ich Dich mit Namen nennen,
wenn ich in traumversunkner Dämmerung
vor Deinen zauberhaften Augen
erstaune wie vorm Glanz des Venussterns,
als säh ich Dich zum erstenmal.
Im Anblick dieser Augensterne,
von denen jeder Strahl
ein Strom der Liebe ist,
der sich in meiner Seele Meer ergießt...
Wie könnte ich Dich nennen?

Wie könnt ich Dich mit Namen nennen,
wenn mir Dein Blick entgegenfliegt,
der sanfter leuchtet als das Auge
der Taube, deren schimmerndes Gefieder
dem Palmenzweig des Friedens gleicht
und mir unsagbar wohltut, weil
er weicher ist als Kissen in der Wiege
und zärtlicher als feinste Seide, die
die heiße Stirn mir streift...
Wie könnte ich Dich nennen?

Wie könnt ich Dich mit Namen nennen,
wenn Deine Stimme mir erklingt,
die Stimme, die den Baum im Winter,
der sie vernehmen könnt, zu grünen zwänge
und übervoll mit Blüten sich zu schmücken,
dieweil er glaubt,
er hör das Lied der Nachtigall,
die ihm die langerwartete Erlösung kündet,
die holde Frühlingszeit...
Wie könnte ich Dich nennen?

Wie könnt ich Dich mit Namen nennen,
wenn Deine Lippen sich auf meinen Mund
wie feurige Rubine pressen
und unsre Seelen schmelzen hin im Kuß,
wie Nacht und Tag
im Frührot sich vereinen,
wenn Zeit und Raum vor mir versinken,
die Ewigkeit mich überflutet
mit ungeahnter Seligkeit...
Wie könnte ich Dich nennen?

Wie könnt ich Dich mit Namen nennen,
Du Mutter meines größten Glücks,
Du holde Feentochter meiner
himmelerstürmenden Visionen,
Du meiner höchsten, kühnsten Hoffnung
erstaunlichste Verwirklichung,
Du meiner Seele höchstes Kleinod,
wertvoller als die ganze Welt,
mein Weib, mein junges, wunderbares...
Wie könnte ich Dich nennen?

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