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Heinrich Heine
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Die Sphinx
Dort vor dem Tor lag eine Sphinx,
Ein Zwitter von Schrecken und Lüsten Der Leib und die Tatzen wie ein Löw', Ein Weib an Haupt und Brüsten. Ein schönes Weib! Der weiße Blick, Er sprach von wildem Begehren:
Die stummen Lippen wölbten sich Und lächelten stilles Gewähren. Die Nachtigall, sie sang so süß - Ich konnt' nicht widerstehen - Und als ich küßte das holde Gesicht, Da war's um mich geschehen.
Lebendig ward das Marmorbild, Der Stein begann zu ächzen Sie trank meiner Küsse lodernde Glut Mit Dürsten und mit Lechzen. Sie trank mir fast den Odem aus - Und endlich, wolllustheischend,
Umschlang sie mich, meinen Armen Leib Mit den Löwentatzen zerfleischend. Entzückende Marter und wonniges Weh! Der Schmerz und die Lust unermeßlich! Derweilen des Mundes Kuß mich beglückt,
Verwunden die Tatzen mich gräßlich. Die Nachtigall sang: "Oh schöne Sphinx! Oh Liebe! was soll es bedeuten, Daß Du vermischest mit Todesqual All Deine Seligkeiten?
Oh schöne Sphinx! Oh löse mir Das Rätsel, das wunderbare! Ich hab darüber nachgedacht Schon manche tausend Jahre."
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Laß mich mit glühenden Zangen kneipen
Laß mich mit glühenden Zangen kneipen,
Laß mich grausam schinden mein Gesicht, Laß mich mit Ruten peitschen, stäupen - Nur warten, warten laß mich nicht ! Laß mit Torturen aller Arten verrenken, brechen mein Gebein,
doch laß mich nicht vergebens warten, denn Warten ist die schlimmste Pein ! Den ganzen Nachmittag bis sechse Hab gestern ich umsonst geharrt - Umsonst; Du kamst nicht, kleine Hexe,
So daß ich fast wahnsinnig ward. Die Ungeduld hielt mich umringelt wie Schlangen; - jeden Augenblick Fuhr ich empor, wenn man geklingelt, Doch kamst Du nicht - ich sank zurück !
Du kamst nicht - ich rase, schnaube, Und Satanas raunte mir ins Ohr: Die Lotosblume, wie ich glaube, Mokiert sich Deiner, - alter Tor !
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Wünsche
Der Kopf spricht : Ach wenn ich nur der Schemel wär,
worauf der Liebsten Füße ruhn ! Und stampfte sie mich noch so sehr, ich wollte doch nicht klagen tun. Das Herz spricht : Ach , wenn ich nur das Kisschen wär, wo sie die Nadeln steckt hinein !
Und stäche sie mich noch so sehr, ich wollte mich der Stiche freun. Das Lied spricht: Ach wär ich nur das Stück Papier, das sie als Papillote braucht ! Ich wollte heimlich flüstern ihr,
ins Ohr, was in mir lebt und haucht
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