The Soul's Mirror
 

 

Gioconda Belli
 

Ahnung

Anrufung des Lächelns

Definitionen

Diese Sehnsucht

Einfache Wünsche

Ein Rest der Angst

Erfinden wir unsere eigene Sprache

Feministische Einladung

Gestern Nacht

Halluzination

Hexeneinmaleins zum Träumen

Ihn erwarten

In der schmerzhaften Einsamkeit des Sonntags

Kleide mich in Liebe

Liebe von Früchten

Spielregeln für Männer die mich lieben wollen

Wie ein Krug

Wie Malinchen im Mai

Ahnung

Ich fürchte Deine Augen.
sie schlagen die stummen Saiten meines Gesangs
scheuchen Vögel auf
vor den verschlossenen Türen des Vergessens
wecken Gespenster
in der schützenden Festung die ich hartnäckig baute
damit nichts mich berührte
noch jemals durchquerte
den Graben meiner Tränen.

Ein kleines Licht durchdrang
die Schwelle des Schattens.
Deine Augen suchten mich
und die meinen lachen
es lacht mein Körper von innen.

Ich verneine Dich
und spüre doch Glück.
Unentschlossen, oberflächlich, alleswissend
seziere ich den Klang in den Adern
überquere den Fluß ehe die Brücke gebaut ist
addiere und subtrahiere mögliche Tränen
mögliches Lachen
während Du
auch sprüde vor Angst
überlegst, die Zahl errechnest
die Trompeten putzt
die vielleicht
mit Donnergetöse
die Mauern von Jericho zerbrechen.

Anrufung des Lächelns

Schenk mir aus Deinem Schlaf
zärtliches Tasten
schenk mir das Himbeereis
Deines Lächelns
schenk mir das langsame
Streicheln Deiner Hände.

Ich gebe Dir Vögel dafür
die Deinen Namen singen
von den Wipfeln der Bäume.
Ich gebe Dir Ananas, Sapote
und Mispel
und flechte Dir Mais ins Haar.
Ich bitte die Götter unserer Ahnen
Gewitter zu schicken:
ängstlich Hand in Hand wollen wir
die Gewalt der Blitze betrachten
Ich webe Träume
aus Zweigen und Gräsern
und berühre die Felsen:
Wasser soll strömen
in dem wir uns baden.
Ich singe Gedichte und Lieder
mein Geliebter
sobald Du mich ansiehst
sobald Du den Vorhang
Deines Schlafes zerreißt
und ich mein Himbeereis
von Deinen Lippen schlürfe.

Definitionen

Wir könnten über die Liebe sprechen.
Ich würde Dir sagen,
mir gefällt die seltsame Art
in der Dein Körper und meiner
sich kennen
Pfadfinder die noch einmal
den uralten Weg
der Erkenntnis erforschen.

Ich würde Dir sagen
ich liebe Deine Haut
und meine Haut liebt Dich
Deinen versteckten Turm
der sich plötzlich erhebt
und erzittert in mir
auf der Suche nach der Frau
die im tiefsten Innern
meiner Weiblichkeit nistet.

Und ich würde Dir sagen
ich liebe Deine Augen
die rein sind und mich
gleichfalls durchdringen
zart oder mit einem Hauch von Fragen.

Ich würde Dir sagen
ich liebe Deine Stimme
vor allem wenn sie Gedichte spricht
doch auch wenn Du ernst klingst
so bemüht diese Welt zu verstehen
die weit ist und fremd.

Ich würde Dir sagen
ich liebe, wenn ich Dich sehe,
das Schmetterlingsflattern
in meinem Magen
die Lust zu lachen
aus Freude daß ich bin
und es Dich gibt
und daß ich weiß,
Dir gefallen die Wolken
und die kalte Luft der Wälder
von Matagalpa.

Wir könnten darüber sprechen
ob dies alles ernst ist was ich Dir sage.
Ob die Verbrennung leicht ist
zweiten dritten oder ersten Grades
Ob man die Dinge beim Namen
nennen muß oder nicht.
Ich sage Dir nur diesen einzigen Satz:
Ich liebe Dich.

Diese Sehnsucht

Dieser Traum den ich lebe,
diese Sehnsucht mit Vor- und Zunamen
dieser Wirbelstrom, gefangen in meinen bebenden Knochen
der heulend seinen Weg durch mein Blut beklagt ....

Ich kann die Zeit nicht verlassen und ihre Verstecke,
das Tal meiner Tage
ist voll namenloser Schatten,
ich gehe in die Einsamkeit wie eine arme Seele
bar aller Vernunft,
Heldin verlorener Schlachten
und wasserloser Krüge.
Ich sinke ein in meinen Körper,
verblute mich in die Venen,
ich kämpfe gegen den Wind,
gegen die Haut, die an meiner klebt.

Was soll ich tun mit meinem Geisterschloß
mit den Sternschnuppen, die mich belagern
da die Sonne mich blendet
- ich sehe nur ihre gelbe Scheibe -
und ihr goldener Schweif mir die Hand leckt
mir die Nächte durchpflügt,
mich entlebt
und mir Unheil bringt ...

Ich werde mich den Wirbelstürmen ausliefern
und so weit fort wie möglich
dies brennende Licht durchqueren.
Ich komme um vor Kälte.

Einfache Wünsche

Heute wünschte ich mir
Deine Finger, Geschichten
sollten sie
mir ins Haar schreiben
und Küsse auf den Rücken
hätte ich gern
Gekuschel
die größten Wahrheiten
solltest Du mir sagen
oder die größten Lügen
zum Beispiel
daß ich die schönste Frau
der Welt bin
daß Du mich sehr liebst
solche Sachen,
so etwas,
so oft wiederholt,
daß Du mein Gesicht nachzeichnest
und mir dann in die Augen schaust
als hinge Dein Leben ganz davon ab,
daß sie lächeln
und alle Möwen in der Gischt aufstören
so etwas möchte ich,
meinen Körper sollst Du begehen
den bebuschten, duftenden Weg,
der erste Winterregen sollst Du sein
sacht Dich fallen lassen
dann ein Wolkenbruch.
So etwas möcht ich,
wie eine große Welle Zärtlichkeit,
die mich auflöst
das Rauschen eines Schneckengehäuses
ein Schwarm Fische im Mund
etwas davon
zart und nackt
wie eine Blume, die sich
dem ersten Morgenlicht
hingeben will
oder einfach ein Samen,
ein Baum, ein wenig Gras
ein Streicheln, das mich vergessen läßt
die verstreichende Zeit
den Krieg
die Gefahren des Todes.

Ein Rest der Angst

Ich möchte nicht traurig sein.
Ich dürfte nicht heute
erste Nacht der Regenzeit
Trübsal blasen.

Wenigstens müßte ich begreifen
wo das Band riß
welche Chance vertan wurde
welcher der Deiche durchlässig wurde für die Tränen.

Es ist wahr, ich schlafe allein
es ist wahr, ich hasse die einsamen Nächte
die gedachte Umarmung leer auf dem Laken.
Doch Du gingst nicht für immer.

Im Gegenteil:
aus der Ferne fürchte ich Deine Stimme nicht mehr die Liebe zu nennen
sie zu buchstabieren in all ihren Tönen
es ja beschlossenen, wir erlebten die Stürme gemeinsam
in der kleinen Arche der Sintflut
Du mit Deinen Tieren
und ich den meinen
und diese Trennung ist nur Übergang
Zollformalität
und nicht die völlige Dürre der Wüste
nicht der eisige Atem der Einsamkeit.

Vielleicht ist darum die Traurigkeit
reine Verschwendung.
Und doch ist diese Zeit wie reife Frucht in meinen Händen
und die Tage füllen sich mir mit vielfarbigen Geweben
und ich lebe eine Spanne Zeit voll von mir selbst
und darin bist auch Du.

Erfinden wir unsere eigene Sprache

Geliebter,
und uns werden die Augen groß:
Dinge sehen wir dann, die niemand sah,
Wege zwischen den Wolken,
Lieder in den Weizenfeldern.
Unter die Röcke sehen wir dann den Wind,
wie seine Lippen das Wasser küssen.
Wir gehen dann ungezwungen,
ohne Schuhe und nackt,
wie unsichtbare Geister.
Worte und Lachen malen wir dann
auf die Mauern in der Welt
während aus unseren Körpern die Liebe strömt,
sprudelnd,
glucksend,
plätschernd wie aus Brunnen.

Feministische Einladung

Ich,
Mondfrau,
lade Dich ein, mich zu küssen.
Lade Dich ein zu den Kratern
meiner Geografie.
Komm.
Leg alle Angst ab.
Treib Herden
über meine Hügel.

Ich,
Erdfrau,
lade Dich zu einer Liebe neuen Zeichens,
pflanzliche Liebe aus eintausend Samen.
Komm.
Erwachen wir aus der Tonerde.
Ich lade Dich zur Luft meiner neuen Flügel.

Ich,
Frau mit dem Sonnenleib,
ich lade Dich zum Licht,
Dich mir am hellen Mittag zu verbinden.
Kein Schatten störe zwischen uns.
Komm.
Erhebe Dich mit mir zum Scheitelpunkt.
Sieh mich von gleicher Höhe aus.

Gemeinsam halten wir den Tod in Schach.
Gemeinsam erweichen wir die Steine.
Gemeinsam teilen wir das Meer.
Nehmen uns das gelobte Land.
Entzünden wir das Antlitz der Jahrhunderte.

Gestern Nacht

Gestern Nacht erst
warst Du wie ein nackter Kämpfer
der über dunkle Felsen sprang.
Ich, auf meinem Beobachtungsposten
in der Ebene
sah Dich Deine Waffen schwingen
und heftig in mich dringen.

Ich öffnete die Augen
und noch immer warst Du ein Schmied
der den Funkenamboß schlug
bis mein Geschlecht explodierte
wie eine Granate
und wir beide starben
im Mondsplitterhagel.

Halluzination

Heute erwachte ich
ganz still als Poetin
und stellte mir vor ich könnte
mich einfach hinfließen lassen zur Liebe
wie ein träges Segelschiff
spielerisch dem Winde folgt.
Ich könnte plötzlich da sein,
eine Erscheinung,
das Klappern der Schreibmaschinen
vergessen
das Telefon
die Zeit
und Dich anschaun
als ob nichts auf der Welt wichtiger sei.
Diese Vogelgefühle machen mir Angst
weiß ich doch nicht wie weit
die Stäbe des Käfigs sind
die ich manchmal in Deiner Stimme spüre
wenn Du mich zurückholst
in die Wirklichkeit.

Weißt Du denn, ob ich nicht
an einem heimlichen
magischen Ort
wo ein freundlicher
gütiger Zauberer haust
den Kompaß finde
der mir den Weg weist
zu Deinem Herzen
und mich nicht irren läßt in dem Wald
wo der Kobold der hinter Deinen Augen lebt
sein Häuschen hat mit Teekannen,
Spiegeln und Zaubertiegeln?

Es gibt Tage, da füllen sich
meine Arme mit Blumen
und meine Haut riecht
nach duftenden Kräutern
und ich zerzause mein Haar,
ziehe meine Schuhe aus
und denke, diese ganze Verrücktheit
gefällt mir.
Du kannst Dir nicht vorstellen
wie sehr mir gefällt
Eva zu sein und Dir meine Welt
zu benennen
und zu beobachten wie Du
mit diesem seltsamen Ausdruck
als ob Du mich um den Schlüssel bätest
und gleich wieder zurückzucktest
in die Vernunft
mit komplizierten Fäden knüpfst
was uns kitzelt
damit wir Telefon und Schreibtisch
verlassen
die verschiedenen Planeten vergessen,
die wir
bewohnen
in freiem Flug aus dem Fenster schweben
- nackt wie übermütige Engel -
die Labyrinthe der Lebensrosen öffnen
die aberwitzigen Maschinen
des Todes stoppen
und zur Mitte der Sonne gelangen
zur Mitte des köstlichen Wahnsinns
wo ein Kuß
alle Weisheit
des unerforschlichen Universums
enthält.

Hexeneinmaleins zum Träumen

Ich wollte ich hätte einen Zauber erfunden
einen Zauber der Dir mitten aus der Brust
einen Begonienstrauß sprießen läßt.

Und ich wollte ich könnte, ich möchte
einen Trick erfinden
der aus Deinen Augen auf die meinen
Nachtigallenflügel tropfen läßt
und dicken lautströmenden Honig.

Ich wollte ich könnte, ich möchte
Dich Adam erschaffen
für die einzig mögliche Eva
der Welt

vielleicht auch Dich träumen
beim hartnäckigen Malen
meines Schattens in den Sand

Ich möchte Dir zeigen daß der Horizont
durchaus aufgehen kann
wie ein riesiger Vorhang
und es möglich ist sich
über den Rand der Welt
zu beugen
wo das Leuchten einer Sonnenblume
die Blüten des Tages erhellt.

Ich möchte daß mein Magierhut
dieser Träumer von Mirakeln
und zärtlichen Wünschen
ein ganz gewöhnlicher Teller wär
aus dem wir zwei das Lachen füttern.

Ich möchte so viele Dinge verwandeln
stumme Entfernungen die mir die Türen
warmer endloser Stunden verschließen.
Und weil ich möchte was ich möchte
irre ich träumend Dulcinea
Quichotin blasend auf Windmühlenflügel
unerlöst für die Liebe
ohne Kompaß noch andere Instrumente
den Flug der Vögelin zu leiten
verliebt in den klingenden süßen Sturm
Deiner Worte.

Ihn erwarten

Am Morgen
erwache ich wie eine Gazelle
freudig im Busch
und warte auf Dich.

Am Mittag,
vergraben zwischen Blumen,
male ich Deinen Namen
in den Bauch der Flüsse.

In der Dämmerung,
bebend vor Liebe, ducke ich mich
und warte darauf,
daß Du kommst in der Nacht,
daß Du kommst und Dich niederläßt
wie ein Vogel auf mir
und Deinen Körper
über mir schwingst
wie eine Fahne.

In der schmerzhaften Einsamkeit des Sonntags

Hier nackt
liege ich auf dem einsamen
Laken meines Betts
und begehre Dich.

Sehe meinen Leib
rosa und glatt im Spiegel,
meinen Leib,
der ein gieriger Boden
für Deine Küsse war,
dieser Leib satt vor Erinnerung
an Deine überschäumende Leidenschaft,
auf dem Du in langen Nächten
schweißtreibende Gefechte
ausgetragen hast,
unter Stöhnen und Lachen
und Geräuschen
aus meinen inneren Gewölben.

Sehe meine Brüste,
die Du lächelnd in Deine Hand gepackt,
wie kleine Vögel in Deinem Käfig
aus fünf Gitterstäben gehalten hast,
während mir eine Blume wuchs,
und ihre harte Knospe
gegen Deine zarte Haut drängte.
Sehe meine Beine,
lange, bedächtige Genießer
Deiner Liebkosungen,
die bald aufgeregt in ihren
Gelenken kreisten,
um Dir den Weg zur Wollust zu öffnen,
gerade zu meinem Zentrum,
zum weichen Gebüsch auf dem Hügel,
wo Du genußsüchtig
einen stummen Kampf anfingst,
eingeleitet von Gewehrsalven
und urtümlichen Donner.

Ich sehe und sehe nicht,
Dein Spiegelbild liegt schmerzhaft
auf dieser Einsamkeit des Sonntags,
ein rosa Spiegel,
eine Hohlform,
die nach Ausfüllung verlangt.

Es regnet in Strömen
auf mein Gesicht,
ich denke an nichts
als an Deine ferne Liebe,
und decke mit aller Kraft
die Hoffnung
warm zu.

Kleide mich in Liebe

Kleide mich in Liebe
denn ich bin nackt,
bin unbewohnte Stadt,
benommen vom Lärm zitternd vom Zischern,
trockenes Blatt im März.

Umhülle mich mit Freude,
ich wurde nicht geboren, um traurig zu sein,
die Traurigkeit ist mir zu weit
wie ein fremdes Kleid.

Ich will wieder brennen,
den salzigen Geschmack der Tränen vergessen,
die Löcher in den Lilien,
die tote Schwalbe auf dem Balkon.

noch einmal mich wiegen im wehenden Wind
schäumende Welle
Meer über den Klippen meiner Kindheit
Sterne in den Händen
lachende Lampe auf dem Weg zum Spiegel
in dem ich mich wieder schaue
heilen Leibes
beschützt
an die Hand genommen
vom Licht
von grüner Wiese und Vulkanen
das Haar voller Spatzen
Schmetterlinge sprießen aus meinen Fingern
Luft nistet in den Zähnen
und kehrt zurück zur Ordnung
des Universums bewohnt von Zentauren.
kleide mich in Liebe
denn ich bin nackt.

Liebe von Früchten

Bedecken will ich
Dein Geschlecht mit Äpfeln
Mangonektar
Erdbeerfleisch.

Dein Körper ist Frucht.

Umarm ich Dich, so rollen Mandarinen
ich küsse Dich und alle Trauben
ergießen den heimlichen Wein
ihres Herzens
auf meinen Mund.
In Deinen Armen spürt meine Zunge
den süßen Saft der Orangen
In Deinen Beinen bewahrt der Granatapfel
seinen erregenden Samen.

Ich will die saftigen Früchte ernten
die im Schweiße Deiner Poren reifen:

Mein Mann aus Pfirsich und Limonen
laß mich trinken aus den Quellen
der Aprikosen, Bananen
und Trauben aus Kirsch.

Dein Körper ist das verlorene Paradies
aus dem mich nie
ein Gott wird vertreiben.

Spielregeln für Männer, die mich lieben wollen

1.
Mich zu lieben muss ein Mann
von meiner Haut den Vorhang wegziehen
bis auf den Grund meiner Augen sehen
und erkennen das in mir nistet
die durchsichtige Schwalbe Zärtlichkeit

2.
Mich zu lieben darf ein Mann
mich nicht wie eine Ware besitzen wollen
mich nicht vorführen wie eine Jagdtrophäe
er wird an meiner Seite stehen
mit der gleichen Liebe
wie ich an seinen

3.
Mich zu lieben, muß die Liebe
eines Mannes stark sein wie Ceibobäume,
so schützend und sicher
und so klar wie ein Dezembermorgen.

4.
Mich zu lieben darf ein Mann
meinem Lächeln nicht Misstrauen
er soll Trauer und Schweigen achten
und auf meinem Leib mit Liebkosungen spielen
wie auf einer Gitarre , Melodien
und Freude aus der Tiefe meines Körpers locken

5.
Mich zu lieben muss ein Mann
in mir das Bett für die Last seiner Sorgen sehen,
eine Freundin mit der er seine Geheimnisse teilt
einen See in dem er treibt
ohne Angst, daß ein Anker von Verpflichtungen
ihn am fliegen hindert, wenn er Lust hat ein Vogel zu sein.

6.
Mich zu lieben, muss ein Mann
Poesie aus seinem Leben machen
jeden Tag neu gestalten
mit dem Blick in die Zukunft

7.
Mich zu lieben aber muss ein Mann
vor allem mein Volk lieben,
nicht als abstrakten Begriff
aus dem Ärmel gezogen,
sondern als etwas Wirkliches, Greifbares,
dem er mit seinen Handlungen Ehre macht
und sein Leben gibt, wenn es notwendig ist.

8.
Mich zu lieben, muß ein Mann
mein Gesicht im Schützengraben erkennen,
mich lieben mit dem Gewehr im Anschlag,
wenn wir beide gemeinsam
die Feinde abwehren-

9.
Die Liebe meines Mannes
scheut nicht hinzugeben
noch fürchtet sie auf einem belebten Platz
sich im Zauber des Verliebtseins zu entdecken
Er kann laut rufen: ich liebe Dich
oder Anschläge auf die Häuser kleben
die sein Recht auf das herrlichste
und menschlichste aller Gefühle proklamiert

10.
Die Liebe meines Mannes
flieht nicht vor Küchendunst
und nicht vor Kinderwindeln
wie ein frischer Wind ist sie
der in Wolken aus Traum und Zeit
die Hemmnisse davonträgt die uns über Jahrhunderte trennten
wie verschiedenartige Wesen

11.
Die Liebe meines Mannes
will mich nicht festlegen, nicht einordnen
sie gibt mir Luft, Nahrung, Raum
zu wachsen und reicher zu werden
so wie jeder neue Tag
eine Revolution entfaltet

Wie ein Krug

In den guten Tagen, mit Regen
als unerschöpflich
wir uns liebten,
als wir uns einander
öffneten, einer dem andern,
wie heimliche Höhlen,
in diesen Tagen, Geliebter
wie ein Krug fing mein Körper
all das weiche Wasser auf,
das Du über mich strömen ließest,
und jetzt,
in diesen Tagen der Dürre,
wenn Deine Abwesenheit die Haut
schmerzt und aufschürft,
fließt Wasser aus meinen Augen,
gesättigt von Deinem Andenken,
und benutzt meinen trockenen Körper,
so leer und so voll von Dir.

Wie Malinchen im Mai

Wenn Deine Hände mich fassen
erglüht mein Körper
wie im Mai die Malinchen
wogt wie ein Kornfeld im Wind.

Wenn Deine Hände mich fassen
erwacht meine innere Harfe
und singt.
Und ich liebe Dich mit aller Kraft
meines Wortes - Regen,
mein Wort - Stieglitz,
mein Wort - Wirbelsturm.

Ich liebe Dich mit dem unendlichen All
das meine Poren weitet
und in meinen Arterien lacht.
Ich gebe es Dir ganz,
Du gibst es mir ganz
wenn Deine Hände mich fassen
wenn meine Hände Dich fassen.

disclaimer