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Gioconda Belli
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Anrufung des Lächelns
Schenk mir aus Deinem Schlaf
zärtliches Tasten schenk mir das Himbeereis Deines Lächelns schenk mir das langsame Streicheln Deiner Hände.
Ich gebe Dir Vögel dafür die Deinen Namen singen
von den Wipfeln der Bäume. Ich gebe Dir Ananas, Sapote und Mispel und flechte Dir Mais ins Haar. Ich bitte die Götter unserer Ahnen Gewitter zu schicken: ängstlich Hand in Hand wollen wir
die Gewalt der Blitze betrachten Ich webe Träume aus Zweigen und Gräsern und berühre die Felsen: Wasser soll strömen in dem wir uns baden. Ich singe Gedichte und Lieder mein Geliebter
sobald Du mich ansiehst sobald Du den Vorhang Deines Schlafes zerreißt und ich mein Himbeereis von Deinen Lippen schlürfe.
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Definitionen
Wir könnten über die Liebe sprechen.
Ich würde Dir sagen, mir gefällt die seltsame Art in der Dein Körper und meiner sich kennen Pfadfinder die noch einmal den uralten Weg der Erkenntnis erforschen.
Ich würde Dir sagen
ich liebe Deine Haut und meine Haut liebt Dich Deinen versteckten Turm der sich plötzlich erhebt und erzittert in mir auf der Suche nach der Frau die im tiefsten Innern
meiner Weiblichkeit nistet.
Und ich würde Dir sagen ich liebe Deine Augen die rein sind und mich gleichfalls durchdringen zart oder mit einem Hauch von Fragen.
Ich würde Dir sagen
ich liebe Deine Stimme vor allem wenn sie Gedichte spricht doch auch wenn Du ernst klingst so bemüht diese Welt zu verstehen die weit ist und fremd.
Ich würde Dir sagen
ich liebe, wenn ich Dich sehe, das Schmetterlingsflattern in meinem Magen die Lust zu lachen aus Freude daß ich bin und es Dich gibt und daß ich weiß, Dir gefallen die Wolken
und die kalte Luft der Wälder von Matagalpa.
Wir könnten darüber sprechen ob dies alles ernst ist was ich Dir sage. Ob die Verbrennung leicht ist zweiten dritten oder ersten Grades
Ob man die Dinge beim Namen nennen muß oder nicht. Ich sage Dir nur diesen einzigen Satz: Ich liebe Dich.
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Diese Sehnsucht
Dieser Traum den ich lebe,
diese Sehnsucht mit Vor- und Zunamen dieser Wirbelstrom, gefangen in meinen bebenden Knochen der heulend seinen Weg durch mein Blut beklagt ....
Ich kann die Zeit nicht verlassen und ihre Verstecke,
das Tal meiner Tage ist voll namenloser Schatten, ich gehe in die Einsamkeit wie eine arme Seele bar aller Vernunft, Heldin verlorener Schlachten und wasserloser Krüge.
Ich sinke ein in meinen Körper, verblute mich in die Venen, ich kämpfe gegen den Wind, gegen die Haut, die an meiner klebt.
Was soll ich tun mit meinem Geisterschloß
mit den Sternschnuppen, die mich belagern da die Sonne mich blendet - ich sehe nur ihre gelbe Scheibe - und ihr goldener Schweif mir die Hand leckt mir die Nächte durchpflügt, mich entlebt
und mir Unheil bringt ...
Ich werde mich den Wirbelstürmen ausliefern und so weit fort wie möglich dies brennende Licht durchqueren. Ich komme um vor Kälte.
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Einfache Wünsche
Heute wünschte ich mir
Deine Finger, Geschichten sollten sie mir ins Haar schreiben und Küsse auf den Rücken hätte ich gern Gekuschel die größten Wahrheiten solltest Du mir sagen oder die größten Lügen
zum Beispiel daß ich die schönste Frau der Welt bin daß Du mich sehr liebst solche Sachen, so etwas, so oft wiederholt, daß Du mein Gesicht nachzeichnest und mir dann in die Augen schaust
als hinge Dein Leben ganz davon ab, daß sie lächeln und alle Möwen in der Gischt aufstören so etwas möchte ich, meinen Körper sollst Du begehen den bebuschten, duftenden Weg,
der erste Winterregen sollst Du sein sacht Dich fallen lassen dann ein Wolkenbruch. So etwas möcht ich, wie eine große Welle Zärtlichkeit, die mich auflöst das Rauschen eines Schneckengehäuses
ein Schwarm Fische im Mund etwas davon zart und nackt wie eine Blume, die sich dem ersten Morgenlicht hingeben will oder einfach ein Samen, ein Baum, ein wenig Gras
ein Streicheln, das mich vergessen läßt die verstreichende Zeit den Krieg die Gefahren des Todes.
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Ein Rest der Angst
Ich möchte nicht traurig sein.
Ich dürfte nicht heute erste Nacht der Regenzeit Trübsal blasen.
Wenigstens müßte ich begreifen wo das Band riß welche Chance vertan wurde welcher der Deiche durchlässig wurde für die Tränen.
Es ist wahr, ich schlafe allein es ist wahr, ich hasse die einsamen Nächte die gedachte Umarmung leer auf dem Laken. Doch Du gingst nicht für immer.
Im Gegenteil: aus der Ferne fürchte ich
Deine Stimme nicht mehr die Liebe zu nennen sie zu buchstabieren in all ihren Tönen es ja beschlossenen, wir erlebten die Stürme gemeinsam in der kleinen Arche der Sintflut Du mit Deinen Tieren
und ich den meinen und diese Trennung ist nur Übergang Zollformalität und nicht die völlige Dürre der Wüste nicht der eisige Atem der Einsamkeit.
Vielleicht ist darum die Traurigkeit
reine Verschwendung. Und doch ist diese Zeit wie reife Frucht in meinen Händen und die Tage füllen sich mir mit vielfarbigen Geweben und ich lebe eine Spanne Zeit voll von mir selbst
und darin bist auch Du.
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Erfinden wir unsere eigene Sprache
Geliebter,
und uns werden die Augen groß: Dinge sehen wir dann, die niemand sah, Wege zwischen den Wolken, Lieder in den Weizenfeldern. Unter die Röcke sehen wir dann den Wind, wie seine Lippen das Wasser küssen.
Wir gehen dann ungezwungen, ohne Schuhe und nackt, wie unsichtbare Geister. Worte und Lachen malen wir dann auf die Mauern in der Welt während aus unseren Körpern die Liebe strömt, sprudelnd,
glucksend, plätschernd wie aus Brunnen.
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Feministische Einladung
Ich, Mondfrau,
lade Dich ein, mich zu küssen. Lade Dich ein zu den Kratern meiner Geografie. Komm. Leg alle Angst ab. Treib Herden über meine Hügel.
Ich, Erdfrau,
lade Dich zu einer Liebe neuen Zeichens, pflanzliche Liebe aus eintausend Samen. Komm. Erwachen wir aus der Tonerde. Ich lade Dich zur Luft meiner neuen Flügel.
Ich,
Frau mit dem Sonnenleib, ich lade Dich zum Licht, Dich mir am hellen Mittag zu verbinden. Kein Schatten störe zwischen uns. Komm. Erhebe Dich mit mir zum Scheitelpunkt.
Sieh mich von gleicher Höhe aus.
Gemeinsam halten wir den Tod in Schach. Gemeinsam erweichen wir die Steine. Gemeinsam teilen wir das Meer. Nehmen uns das gelobte Land.
Entzünden wir das Antlitz der Jahrhunderte.
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Gestern Nacht
Gestern Nacht erst
warst Du wie ein nackter Kämpfer der über dunkle Felsen sprang. Ich, auf meinem Beobachtungsposten in der Ebene sah Dich Deine Waffen schwingen und heftig in mich dringen.
Ich öffnete die Augen
und noch immer warst Du ein Schmied der den Funkenamboß schlug bis mein Geschlecht explodierte wie eine Granate und wir beide starben im Mondsplitterhagel.
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Halluzination
Heute erwachte ich
ganz still als Poetin und stellte mir vor ich könnte mich einfach hinfließen lassen zur Liebe wie ein träges Segelschiff spielerisch dem Winde folgt. Ich könnte plötzlich da sein,
eine Erscheinung, das Klappern der Schreibmaschinen vergessen das Telefon die Zeit und Dich anschaun als ob nichts auf der Welt wichtiger sei. Diese Vogelgefühle machen mir Angst
weiß ich doch nicht wie weit die Stäbe des Käfigs sind die ich manchmal in Deiner Stimme spüre wenn Du mich zurückholst in die Wirklichkeit.
Weißt Du denn, ob ich nicht an einem heimlichen
magischen Ort wo ein freundlicher gütiger Zauberer haust den Kompaß finde der mir den Weg weist zu Deinem Herzen und mich nicht irren läßt in dem Wald
wo der Kobold der hinter Deinen Augen lebt sein Häuschen hat mit Teekannen, Spiegeln und Zaubertiegeln?
Es gibt Tage, da füllen sich meine Arme mit Blumen und meine Haut riecht
nach duftenden Kräutern und ich zerzause mein Haar, ziehe meine Schuhe aus und denke, diese ganze Verrücktheit gefällt mir. Du kannst Dir nicht vorstellen wie sehr mir gefällt
Eva zu sein und Dir meine Welt zu benennen und zu beobachten wie Du mit diesem seltsamen Ausdruck als ob Du mich um den Schlüssel bätest und gleich wieder zurückzucktest in die Vernunft
mit komplizierten Fäden knüpfst was uns kitzelt damit wir Telefon und Schreibtisch verlassen die verschiedenen Planeten vergessen, die wir bewohnen in freiem Flug aus dem Fenster schweben
- nackt wie übermütige Engel - die Labyrinthe der Lebensrosen öffnen die aberwitzigen Maschinen des Todes stoppen und zur Mitte der Sonne gelangen zur Mitte des köstlichen Wahnsinns
wo ein Kuß alle Weisheit des unerforschlichen Universums enthält.
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Hexeneinmaleins zum Träumen
Ich wollte ich hätte einen Zauber erfunden
einen Zauber der Dir mitten aus der Brust einen Begonienstrauß sprießen läßt.
Und ich wollte ich könnte, ich möchte einen Trick erfinden der aus Deinen Augen auf die meinen
Nachtigallenflügel tropfen läßt und dicken lautströmenden Honig.
Ich wollte ich könnte, ich möchte Dich Adam erschaffen für die einzig mögliche Eva der Welt
vielleicht auch Dich träumen
beim hartnäckigen Malen meines Schattens in den Sand
Ich möchte Dir zeigen daß der Horizont durchaus aufgehen kann wie ein riesiger Vorhang und es möglich ist sich
über den Rand der Welt zu beugen wo das Leuchten einer Sonnenblume die Blüten des Tages erhellt.
Ich möchte daß mein Magierhut dieser Träumer von Mirakeln und zärtlichen Wünschen
ein ganz gewöhnlicher Teller wär aus dem wir zwei das Lachen füttern.
Ich möchte so viele Dinge verwandeln stumme Entfernungen die mir die Türen warmer endloser Stunden verschließen.
Und weil ich möchte was ich möchte irre ich träumend Dulcinea Quichotin blasend auf Windmühlenflügel unerlöst für die Liebe ohne Kompaß noch andere Instrumente den Flug der Vögelin zu leiten
verliebt in den klingenden süßen Sturm Deiner Worte.
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Ihn erwarten
Am Morgen
erwache ich wie eine Gazelle freudig im Busch und warte auf Dich.
Am Mittag, vergraben zwischen Blumen, male ich Deinen Namen in den Bauch der Flüsse.
In der Dämmerung,
bebend vor Liebe, ducke ich mich und warte darauf, daß Du kommst in der Nacht, daß Du kommst und Dich niederläßt wie ein Vogel auf mir und Deinen Körper über mir schwingst wie eine Fahne.
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In der schmerzhaften Einsamkeit des Sonntags
Hier nackt
liege ich auf dem einsamen Laken meines Betts und begehre Dich.
Sehe meinen Leib rosa und glatt im Spiegel, meinen Leib, der ein gieriger Boden für Deine Küsse war,
dieser Leib satt vor Erinnerung an Deine überschäumende Leidenschaft, auf dem Du in langen Nächten schweißtreibende Gefechte ausgetragen hast, unter Stöhnen und Lachen und Geräuschen
aus meinen inneren Gewölben.
Sehe meine Brüste, die Du lächelnd in Deine Hand gepackt, wie kleine Vögel in Deinem Käfig aus fünf Gitterstäben gehalten hast, während mir eine Blume wuchs,
und ihre harte Knospe gegen Deine zarte Haut drängte. Sehe meine Beine, lange, bedächtige Genießer Deiner Liebkosungen, die bald aufgeregt in ihren Gelenken kreisten,
um Dir den Weg zur Wollust zu öffnen, gerade zu meinem Zentrum, zum weichen Gebüsch auf dem Hügel, wo Du genußsüchtig einen stummen Kampf anfingst, eingeleitet von Gewehrsalven
und urtümlichen Donner.
Ich sehe und sehe nicht, Dein Spiegelbild liegt schmerzhaft auf dieser Einsamkeit des Sonntags, ein rosa Spiegel, eine Hohlform, die nach Ausfüllung verlangt.
Es regnet in Strömen auf mein Gesicht, ich denke an nichts als an Deine ferne Liebe, und decke mit aller Kraft die Hoffnung warm zu.
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Kleide mich in Liebe
Kleide mich in Liebe
denn ich bin nackt, bin unbewohnte Stadt, benommen vom Lärm zitternd vom Zischern, trockenes Blatt im März.
Umhülle mich mit Freude, ich wurde nicht geboren, um traurig zu sein,
die Traurigkeit ist mir zu weit wie ein fremdes Kleid.
Ich will wieder brennen, den salzigen Geschmack der Tränen vergessen, die Löcher in den Lilien, die tote Schwalbe auf dem Balkon.
noch einmal mich wiegen im wehenden Wind schäumende Welle Meer über den Klippen meiner Kindheit Sterne in den Händen lachende Lampe auf dem Weg zum Spiegel in dem ich mich wieder schaue
heilen Leibes beschützt an die Hand genommen vom Licht von grüner Wiese und Vulkanen das Haar voller Spatzen Schmetterlinge sprießen aus meinen Fingern Luft nistet in den Zähnen
und kehrt zurück zur Ordnung des Universums bewohnt von Zentauren. kleide mich in Liebe denn ich bin nackt.
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Liebe von Früchten
Bedecken will ich
Dein Geschlecht mit Äpfeln Mangonektar Erdbeerfleisch.
Dein Körper ist Frucht.
Umarm ich Dich, so rollen Mandarinen ich küsse Dich und alle Trauben ergießen den heimlichen Wein
ihres Herzens auf meinen Mund. In Deinen Armen spürt meine Zunge den süßen Saft der Orangen In Deinen Beinen bewahrt der Granatapfel seinen erregenden Samen.
Ich will die saftigen Früchte ernten
die im Schweiße Deiner Poren reifen:
Mein Mann aus Pfirsich und Limonen laß mich trinken aus den Quellen der Aprikosen, Bananen und Trauben aus Kirsch.
Dein Körper ist das verlorene Paradies aus dem mich nie ein Gott wird vertreiben.
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Spielregeln für Männer, die mich lieben wollen
1.
Mich zu lieben muss ein Mann von meiner Haut den Vorhang wegziehen bis auf den Grund meiner Augen sehen und erkennen das in mir nistet die durchsichtige Schwalbe Zärtlichkeit
2.
Mich zu lieben darf ein Mann mich nicht wie eine Ware besitzen wollen mich nicht vorführen wie eine Jagdtrophäe er wird an meiner Seite stehen mit der gleichen Liebe wie ich an seinen
3.
Mich zu lieben, muß die Liebe eines Mannes stark sein wie Ceibobäume, so schützend und sicher und so klar wie ein Dezembermorgen.
4. Mich zu lieben darf ein Mann meinem Lächeln nicht Misstrauen
er soll Trauer und Schweigen achten und auf meinem Leib mit Liebkosungen spielen wie auf einer Gitarre , Melodien und Freude aus der Tiefe meines Körpers locken
5. Mich zu lieben muss ein Mann
in mir das Bett für die Last seiner Sorgen sehen, eine Freundin mit der er seine Geheimnisse teilt einen See in dem er treibt ohne Angst, daß ein Anker von Verpflichtungen ihn am fliegen hindert,
wenn er Lust hat ein Vogel zu sein.
6. Mich zu lieben, muss ein Mann Poesie aus seinem Leben machen jeden Tag neu gestalten mit dem Blick in die Zukunft
7.
Mich zu lieben aber muss ein Mann vor allem mein Volk lieben, nicht als abstrakten Begriff aus dem Ärmel gezogen, sondern als etwas Wirkliches, Greifbares, dem er mit seinen Handlungen Ehre macht
und sein Leben gibt, wenn es notwendig ist.
8. Mich zu lieben, muß ein Mann mein Gesicht im Schützengraben erkennen, mich lieben mit dem Gewehr im Anschlag, wenn wir beide gemeinsam
die Feinde abwehren-
9. Die Liebe meines Mannes scheut nicht hinzugeben noch fürchtet sie auf einem belebten Platz sich im Zauber des Verliebtseins zu entdecken
Er kann laut rufen: ich liebe Dich oder Anschläge auf die Häuser kleben die sein Recht auf das herrlichste und menschlichste aller Gefühle proklamiert
10. Die Liebe meines Mannes
flieht nicht vor Küchendunst und nicht vor Kinderwindeln wie ein frischer Wind ist sie der in Wolken aus Traum und Zeit die Hemmnisse davonträgt die uns über Jahrhunderte trennten
wie verschiedenartige Wesen
11. Die Liebe meines Mannes will mich nicht festlegen, nicht einordnen sie gibt mir Luft, Nahrung, Raum zu wachsen und reicher zu werden so wie jeder neue Tag
eine Revolution entfaltet
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Wie ein Krug
In den guten Tagen, mit Regen als unerschöpflich
wir uns liebten, als wir uns einander öffneten, einer dem andern, wie heimliche Höhlen, in diesen Tagen, Geliebter wie ein Krug fing mein Körper all das weiche Wasser auf,
das Du über mich strömen ließest, und jetzt, in diesen Tagen der Dürre, wenn Deine Abwesenheit die Haut schmerzt und aufschürft, fließt Wasser aus meinen Augen, gesättigt von Deinem Andenken,
und benutzt meinen trockenen Körper, so leer und so voll von Dir.
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Wie Malinchen im Mai
Wenn Deine Hände mich fassen
erglüht mein Körper wie im Mai die Malinchen wogt wie ein Kornfeld im Wind.
Wenn Deine Hände mich fassen erwacht meine innere Harfe und singt. Und ich liebe Dich mit aller Kraft
meines Wortes - Regen, mein Wort - Stieglitz, mein Wort - Wirbelsturm.
Ich liebe Dich mit dem unendlichen All das meine Poren weitet und in meinen Arterien lacht. Ich gebe es Dir ganz,
Du gibst es mir ganz wenn Deine Hände mich fassen wenn meine Hände Dich fassen.
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