The Soul's Mirror
 

 

Francois Villon
 

Die Ballade an eine treulose Freundin

Die Ballade des Vogelfreien

Die Ballade vom guten und vom schlechten Lebenswandel

Die Ballade von der ewigen Unzufriedenheit

Eine Ballade, gedichtet für Mira L’Ydolle

Ich bin so wild nach Deinem Erdbeermund

Ich hab mich in Dein rotes Haar verliebt

Die Ballade an eine treulose Freundin

Du hast ein Herz aus Stein in Deiner Brust,
und der drückt bergeschwer auf meinen Magen,
und hätte ichs von Anfang an gewußt,
was ich mir aufgeladen in den Tagen,
als ich - der Kuckuck weiß vielleicht warum -
hineingeraten bin in Deine Fänge,
dann ginge ich jetzt nicht so stumm
wie von dem Wirt, bei dem ich in der Kreide hänge.
Wie kann man jemand, der mehr gab als nahm,
so von sich weisen ohne Scham.

Es standen manche Türen mir einst offen,
man ging vorüber, blindlings, wie besoffen
und nüchtern auf die eine, zugeschlossne, zu.
Man hat geklopft und wurde eingelassen,
man stand schon nach dem ersten Kuß auf Du und Du.
Und jetzt muß ich mir einen Wanderstab verpassen
und Mitleid suchen bei den Kettenhunden
und wieder Anschluß bei den Vagabunden.
Wie kann man jemand, der mehr gab als nahm,
so von sich weisen ohne Scham.

Gewiß ist, daß auch Dir dereinst aufs Haar
der Winter schneit. Dann bist Du nicht mehr rar,
dann werden Dir die Augen überlaufen
und voller Falten Deine Wangen sein,
nach irgendeinem aus dem großen Haufen,
nach einem Buckel oder Humpelbein.
Nur mich wirst Du dort nicht mehr finden,
um mich noch einmal so zu schinden.
Wie kann man jemand, der mehr gab als nahm,
so von sich weisen ohne Scham.

Ich werde allen reinen Wein einschenken,
wie es bei Dir mir so erging,
und jeder wird nicht anders denken,
als es geschrieben steht in meinem Fingerring:
Wie kann man jemand, der mehr gab als nahm,
so von sich weisen ohne Scham.

Die Ballade des Vogelfreien

Vor vollen Schüsseln muss ich Hungers sterben,
am heissen Ofen frier ich mich zu Tod,
wohin ich greife fallen nichts als Scherben,
bis zu den Zähnen geht mir schon der Kot.
Und wenn ich lache, habe ich geweint,
und wenn ich weine, bin ich froh,
Daß mir zuweilen auch die Sonne scheint,
als könnte ich im Leben ebenso
zerknirscht wie in der Kirche niederknien...
ich, überall verehrt und angespien.

Nichts scheint mir sichrer als das nie Gewisse,
nichts sonnenklarer als die schwarze Nacht.
Nur das ist mein, was ich betrübt vermisse,
und was ich liebte, hab ich umgebracht.
Selbst wenn ich denk, Daß ich schon gestern war,
bin ich erst heute abend zugereist.
Von meinem Schädel ist das letzte Haar
zu einem blanken Mond vereist.
Ich habe kaum ein Feigenblatt, es anzuziehn...
ich, überall verehrt und angespien.

Ich habe dennoch soviel Mut zu hoffen,
daß mir sehr bald die ganze Welt gehört,
und stehn mir wirklich alle Türen offen,
schlag ich sie wieder zu, weil es mich stört,
daß ich aus goldnen Schüsseln fressen soll.
Die Würmer sind schon toll nach meinem Bauch,
ich bin mit Unglück bis zum Halse voll
und bleibe unter dem Holunderstrauch,
auf den noch nie ein Stern herunterschien,
François Villon, verehrt und angespien.

Die Ballade vom guten und vom schlechten Lebenswandel

Seid was Ihr wollt: Soldaten, Schuster, Opernsänger,
Produktenhändler oder auch nur Hundefänger,
ob Ihr verlaust seid oder an der Börse spekuliert
mit Haifischflossen, Niggerschweiß und Kaffeebohnen,
ob sich die geraden oder mehr die krummen Wege lohnen,
nur wo Ihr Euer Geld verliert,
bei Weibern, Wein und Kartenspiel,
da wiegt Ihr allesamt nicht viel.

Stopft Euch den Bauch mit Kaviar und Pfauenzungen
und qualmt solange, bis aus den zerfressnen Lungen
die Schwindsucht grinsend in die Landschaft stiert,
seid Ballspielmeister, sammelt Autographen,
wählt Parlamente und Euch selber zu den Oberschafen,
nur wo Ihr Euer Geld verliert,
bei Weibern, Wein und Kartenspiel,
da wiegt Ihr allesamt nicht viel.

Von allem Übel kann Euch nur der eigne Dalles retten,
denn wer nichts hat, sein Haupt darauf zu betten,
kein Haus und auch kein Rock, wenns ihn im Winter friert,
der fühlt, wie schwer die armen Knochen wiegen,
wenn sie verfault bei Aas und Maden liegen,
und denkt: wer jetzt die Lust verliert,
der wog bei Weibern, Wein und Kartenspiel
nicht einen Pappenstiel.

Die Ballade von der ewigen Unzufriedenheit

Wenn eine schöne Frau Euch mal den Kopf verdreht,
laßt ihr den Spaß, wie schnell ist das verweht,
was vorne schmeichelt und hinten kratzt.
Man muß die Dinge nehmen, wie sie eben sind,
denn wer sich wehrt, der ist erst recht verratzt
und bleibt sein Leben lang ein Blatt im Wind,
wie mit den hundert Frauen König Salomo,
bei keiner war er seines Herzens froh.

Auch Orpheus war gewiß kein Hasenfuß,
als er von seiner Freundin ohne Gruß
in schwarzer Nacht in eine Felsenhöhle fuhr.
Jedoch Narziß, der schöne Spiegelheld,
der hat sich selber wohl ein Bein gestellt,
von wegen der mißratenen Natur.
Liebst Du Dein Fleisch im Leben ebenso
wie Onan, wirst Du Deines Lebens nimmer froh.
Sardanapal, der trank nur Honigwein
und wollte gar zu gern ein Weibsbild sein,

Mit seinen Mägden hat er Nacht für Nacht
den Flachs gedreht und wurde fett dabei.
Auch David hat wer weiß wieviel Geschrei
um eine Dame Bathseba gemacht,
nur weil er einmal ihren Pipapo
am hellichten Tage nackt gesehen hat,
nachher noch mehr und wurde doch nicht froh.

Von Ammon sagt man, daß er seiner Gier
nach einer Jungfernhaut, er auf die eigene Schwester
geriet, anstatt in die entlegenen Nester
vom Stamme Israel. Und jedes andere Tier,
ich meine den Herodes jetzt,
hat dem Johann den Kopf vom Rumpf gewetzt
für einen Tanz mit Salomé. Auch sie ließ er ermorden
und ist der Lustbarkeit nicht froh geworden.

Zuletzt hat auch Villon schon mancherlei
erfahren, was wohl mit der Liebe sei.
Er war zum Beispiel in Margot verknallt,
die liebte ihn mit Lüge und Betrug
und lockte ihn in einen Hinterhalt,
wo man ihm alle Knochen blutig schlug.
Da lag er wie ein Frosch im faulen Stroh
und wurde nie mehr seiner Liebe froh.

Es ist schon besser, wenn man unbeweibt
auf dieser Welt als Mann sein Wesen treibt.
Die Weiber haben alle nur den einen Dreh:
daß es allein der Mann sei, der zu schenken hat,
was er an Fleisch et cetera pepe
verdecken muß mit einem Feigenblatt.
In diesem Leben ists nun einmal so,
deshalb wird man der Lust auch nur Minuten froh.

Eine Ballade, gedichtet für Mira L'Ydolle

Die Bäume standen alle grau und krank,
im Wald herum, weil in dem Bach der Tag ertrank.
Du aber warfst die Kleider fort vom Leib,
und hast ein weißes Licht
mit angezündet, Du, mein Abendweib,
mit Wurzelhaar und Tiergesicht,
und immer werden meine Augen hell und weit,
wenn in der Nacht mir solch ein Mond erscheint.

Die Bäume wuchsen in den Mai hinein
und wollten nicht mehr grau und einsam sein.
Ich aber weiß nicht, wo Du weilen magst,
ich weiß nur, wie Du hautnacktheiß
mit Deinem Mund an meinem Munde lagst,
die lange Nacht
und hat mich still und hat mich krank gemacht.

Ich bin nach Deinem Muttermal so krank,
das sich an meinem Blut betrank.
Das werd ich manche Nacht im Wald
noch wissen ... Du, noch einmal kehr
zurück, im weißen Kleid. Bald bin ich alt
und wie die Bäume krank und leer ...
Doch heute, in dem milden Licht,
wie quält es mich nach Wurzelhaar und Tiergesicht.

Ich bin so wild nach Deinem Erdbeermund

Du... Du... ich bin so wild nach Deinem Erdbeermund,
ich schrie mir schon die Lungen wund
nach Deinem weißen Leib, Du Weib.
Im Klee, da hat der Mai ein Bett gemacht,
da blüht ein süßer Zeitvertreib
mit Deinem Leib die lange Nacht.
Da will ich sein im tiefen Tal.
Dein Nachtgebet und auch Dein Sterngemahl.

Im tiefen Erdbeertal, im schwarzen Haar,
da schlief ich manchen Sommer lang
bei Dir und schlief doch nie zuviel.
Komm... komm... komm her... ich weiß ein schönes Spiel
im dunklen Tal, im Muschelgrund...
Ah... ah... ah Du... ah Du...
Du ach, ich bin so wild nach Deinem Erdbeermund!
Ah... ah... ah... ah... ah... ah... ahh...

Die graue Welt macht keine Freude mehr,
ich gab den schönsten Sommer her,
und Dir hats auch kein Glück gebracht;
nicht wahr, hast nur den roten Mund noch aufgespart,
für mich, für mich, für mich, so tief im Haar verwahrt...
Ich such ihn schon die lange Nacht
im Wintertal, im Aschengrund...
Ich bin so wild nach Deinem Erdbeermund.
Im Wintertal, im schwarzen Erdbeerkraut,
da hat der Schnee ein Nest gebaut
und fragt nicht, wo die Liebe sei.
Ich habe doch das rote Tier so tief
erfahren, als ich bei Dir schlief.
Ach, oh wär nur der Winter erst vorbei
und wieder grün der Wiesengrund!
Oh Du... Du oh...
Du, ich bin so wild nach Deinem Erdbeermund!
Oh...

Ich hab mich in Dein rotes Haar verliebt

Im Sommer war das Gras so tief,
daß jeder Wind davon vorüberlief.
Ich habe da Dein Blut gespürt
und wie es heiß zu mir herüberrann.

Du hast nur meine Stirn berührt,
da schmolz er auch schon hin, der harte Mann,
weils solche Liebe nicht tagtäglich gibt.
Ich hab mich in Dein rotes Haar verliebt.

Im Feld den ganzen Sommer war
der Mond so rot nicht wie Dein Haar.
Jetzt wird es abgemäht, das Gras,
die bunten Blumen welken auch dahin.
Und wenn der rote Mond so blass
geworden ist, dann hat es keinen Sinn,
daß es noch weiße Wolken gibt.
Ich hab mich in Dein rotes Haar verliebt.

Du sagst, daß es bald Kinder gibt,
wenn man sich in Dein rotes Haar verliebt,
so rot wie Mohn, so weiß wie Schnee.
Im Herbst, mein Lieb, da kehren viele Kinder ein,
warum solls auch bei uns nicht sein?
Du bleibst im Winter auch mein schönes Reh
und wenn es hundert schönere gibt.
Ich hab mich in Dein rotes Haar verliebt.

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